Wuppertal
   

Religionen

Wuppertal gilt als die Stadt Deutschlands mit den meisten unterschiedlichen Religionen und Gemeinden. Diese Gemeinden waren weithin für ihre religiöse, teils stark frömmelnde Sektiererei und konfessionelle Vielfalt bekannt. Der heutige Stadtteil Ronsdorf zum Beispiel wurde für eine abweichlerische Gemeinde gegründet. Diesem protestantischen Eigenwillen verdankt die Stadt den spöttischen Beinamen „Muckertal“.

Das Gebiet der heutigen Stadt Wuppertal gehörte ursprünglich zum Erzbistum Köln, Elberfeld zum Archidiakonat des Domdekans und zum Dekanat Neuss. Zum Kirchspiel Elberfeld gehörte auch Unterbarmen. Oberbarmen hingegen war Teil des Archidiakonats St. Georg im Dekanat Lüdenscheid. Erst um 1300 wurde Elberfeld eine eigene Gemeinde, nachdem sie zuvor zu Richrath gehörte.


Turm der Alten reformierten Kirche ElberfeldIn Elberfeld wurde 1566 durch Peter Loh die Reformation nach reformiertem Bekenntnis eingeführt. Während der spanischen Besatzung wurde der evangelische Gottesdienst zwischen 1625 bis 1627 vorübergehend verboten. Ab 1690 gab es auch eine lutherische Gemeinde. Nach dem Übergang der Stadt an Preußen unterstanden die reformierten und lutherischen Gemeinden Elberfelds zunächst dem Konsistorium in Düsseldorf, dann in Köln und schließlich ab 1822 in Koblenz, das seinerzeit Sitz der rheinischen Provinzialkirche wurde (heute Evangelische Kirche im Rheinland). Elberfeld wurde Sitz einer Kreissynode (heute Kirchenkreis), zu dem auch die protestantischen Gemeinden von Sonnborn, Vohwinkel, Cronenberg und Ronsdorf gehörten und bis heute gehören, sofern es sich nicht um Freikirchen handelt.

Auch in Barmen, das aus einer Vielzahl von Siedlungen hervorging, wurde im 16. Jahrhundert die Reformation eingeführt. Doch trennte sich die reformierte Gemeinde Gemarke erst 1702 von der Pfarrei Schwelm. Die lutherische Gemeinde Wichlinghausen erst 1744. Von dieser trennte sich 1778 die Wupperfelder Gemeinde ab. Unterbarmen gehörte kirchlich zu Elberfeld. Auch Barmen wurde in preußischer Zeit Sitz einer Kreissynode (heute Kirchenkreis), zu dem heute alle protestantischen Gemeinden des Stadtteils Barmen gehören, sofern es sich nicht um Freikirchen handelt.

Auch in den anderen heutigen Wuppertaler Stadtteilen wurde im 16. Jahrhundert die Reformation meist nach reformiertem Bekenntnis eingeführt. Später gab es auch lutherische Gemeinden. In einigen kleineren Orten entstanden erst sehr spät eigene reformierte beziehungsweise lutherische Gemeinden, so etwa in Beyenburg 1854 und in Vohwinkel 1886.


Niederländische reformierte KircheWenngleich in ganz Preußen 1817 die Union zwischen reformierten und lutherischen Gemeinden eingeführt wurde, so blieben die jeweiligen Gemeinden in ihrer Wahrnehmung jedoch ihren bisherigen Traditionen treu. So unterscheidet man heute in Wuppertal nach wie vor zwischen reformierten und lutherischen Gemeinden innerhalb der unierten Landeskirche. Einige Gemeinden wurden jedoch auch von Anfang an als „unierte“ Gemeinden gegründet. Hierzu gehört die unierte Gemeinde Unterbarmen. Als Reaktion auf die Rheinisch-Westfälische Kirchenordnung 1835, die eine vereinheitlichte Liturgie für die preußischen protestantischen Kirchen vorschrieb, trennten sich aus Bekenntnisgründen eine altlutherische Kirchengemeinde und die Niederländisch-reformierte Gemeinde von der unierten preußischen Kirche. Noch heute gibt es zwei lutherische Kirchengemeinden (in Barmen und Elberfeld), die zum Kirchenbezirk Rheinland der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche gehören, und die Niederländisch-reformierte Gemeinde, die sich der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen angeschlossen hat.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde Wuppertal-Barmen berühmt durch die Bekenntnissynode, die in der Zeit vom 29. bis 31. Mai 1934 in der Kirche Gemarke stattfand. Sie wurde von der Bekennenden Kirche einberufen und von lutherischen, reformierten und unierten Abgeordneten besucht. Hier entstand die so genannte Barmer Theologische Erklärung, die als eine der Bekenntnisgrundlagen der evangelischen Kirche gilt.

Heute bilden die evangelischen Christen mit 35,3 Prozent bzw. rund 126.000 Gläubigen die größte religiöse Gruppe in Wuppertal .


Die katholische St. Laurentiuskirche in ElberfeldDie wenigen Katholiken Wuppertals gehörten auch nach der Reformation zum Erzbistum Köln. So gab es etwa in Elberfeld 1658 nur noch sechs, in Barmen 1708 nur noch drei katholische Familien. In Barmen wurde jedoch zwischen 1708 und 1721 wieder eine katholische Kirche gebaut, die von Franziskanern aus Wipperfürth pastorisiert wurde. Um 1800 gab es in Barmen bereits 2000 Katholiken. Im 19. Jahrhundert nahm der Anteil der katholischen Bevölkerung im gesamten Wuppertal stark zu. 1830 wurden in Elberfeld bereits 5.800 Katholiken gegenüber 24.300 Protestanten gezählt. In beiden Städten entstanden mehrere Pfarrgemeinden. Sowohl Elberfeld als auch Barmen wurde Sitz eines Dekanats innerhalb des Erzbistums Köln. Beide Dekanate bilden heute zusammen das „Stadtdekanat Wuppertal“. Zum Dekanat Elberfeld gehören auch die Pfarrgemeinden Cronenberg, Ronsdorf (früher zu Barmen) und Vohwinkel, zum Dekanat Barmen die Pfarrgemeinden Langerfeld und Beyenburg. Heute leben rund 82.000 Katholiken in der Stadt, was einer Quoten von 23 % entspricht .

Zu den frühen freikirchlichen Gemeindegründungen gehören die einer deutsch-katholischen Gemeinde (1840), der Niederländisch-Reformierten Gemeinde (1847), einer altlutherischen Gemeinde (1847), der ersten Baptistengemeinde (durch Julius Köbner 1852), der Freien evangelischen Gemeinde Elberfeld-Barmen (durch Hermann Heinrich Grafe 1854) und einer altkatholischen Gemeinde (um 1870).

Zu den christlichen Sondergemeinschaften zählen unter anderem die Zeugen Jehovas, deren erste (1903) deutsche Niederlassung sich in Elberfeld befand, und die Neuapostolische Kirche.


DITIB-Moschee in ElberfeldDie rund 28.000 Muslime der Stadt sind zu etwa 60 % türkischer Herkunft, etwa ein Viertel der Muslime sind Einwanderer aus Marokko. Sie sind überwiegend Sunniten und organisieren sich in verschiedenen Gemeinden, die in etwa die verschiedenen Gruppierungen türkischer religiöser Vereine (DITIB, Verband der Islamischen Kulturzentren, Milli Görüs) in Deutschland repräsentieren. Daneben gibt es auch zwei Gemeindezentren der Aleviten sowie einige arabischsprachige Gemeinden.

Jüdische Gemeindemitglieder gab es in Elberfeld erst wieder ab 1694, nachdem sie 1595 auf Befehl des Herzogs von Berg vertrieben worden waren. In Barmen wurden 1802 zwei Familien gezählt. Im Jahre 1861 konnten die Juden beider Städte eine gemeinsame israelitische Gemeinde gründen, die jedoch in der Zeit der Nationalsozialisten unterging. Durch den Zuzug von Juden aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion stieg die Zahl der Gemeindemitglieder in den 1990er Jahren von 65 auf über 2.000 Personen, was 0,6 Prozent der Wuppertaler Bevölkerung entspricht . Am 8. Dezember 2002 wurde mit der Bergischen Synagoge in Barmen wieder ein Synagogen-Neubau eingeweiht.




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